Mehr als ein Konzert - ein Musical, das unter die Haut geht!
Kantor Johannes Baldauf im Interview: Wie sein Projektchor die „7 Worte vom Kreuz“ erlebte – und was dabei besonders berührt hat.
Welche Herausforderungen gab es bei den Proben deines Projektchors?
Was waren das für Menschen, die in deinem Projektchor mitgesungen haben?
Größtenteils waren es Menschen, die in Chören der Umgebung mitsingen. Und solche, die ich von Chorprojekten aus der Vergangenheit schon kannte. Und diesmal aber wieder auch ein merklicher Anteil von Leuten, die mir bisher unbekannt waren. Und dann noch die, die ich aus dem Gemeindekontext kenne, die mir sagen: "Jede Woche zur Chorprobe kommen schaff ich leider nicht, aber mal zeitlich begrenzt bei einem Projekt mitsingen – das kann ich mir einrichten."
Albert Frey ist bekannt als Songwriter. Wie funktioniert ein Musical mit Lobpreisliedern?
Als ich 2023 erstmals die "7 Worte" beim Essen-kochen anhörte, war mir gar nicht aufgefallen, dass in dem Werk sehr oft das "Worship-Muster" Vers – Refrain – Bridge verarbeitet ist. Bei intensiverer Beschäftigung wird das natürlich klar. Aber ich finde, dass Albert durch die unterschiedlichen Instrumentierungen und die unterschiedlichen Songstile viel Abwechslung schafft, so dass ich selber nicht das Gefühl einer bloßen Aneinanderreihung von Lobpreissongs habe. Zumal die Stücke durch eine inhaltliche Dramaturgie aufeinander Bezug nehmen und inhaltlich miteinander verzahnt sind, so dass man nicht von einer losen Lobpreisliedernummernfolge sprechen kann.
Die „7 Worte vom Kreuz“ sind Bibelworte, die vor allem Insidern bekannt sind. Wie ist das Thema für Menschen umgesetzt worden, die nicht kirchlich sozialisiert sind?
Ich finde, dass Albert Frey seine Texte schon ziemlich zeitgemäß formuliert hat. Neben den 7 biblischen Worten vom Kreuz greift er unzählige Bibelzitate und biblische Anspielungen auf und setzt sie in Beziehung zum Heilsgeschehen am Kreuz. Dabei streift er sehr tiefgehend fast jede denkbare menschliche Lebenssinnfrage: Warum gibt es Leid? Was macht den Menschen Glücklich? Was bleibt von meinem Leben? Wie entkommst du dem irdischen Teufelskreis von Hass und Gewalt? Was ist Freiheit? Und das alles in einer Sprache, die für jeden verständlich ist. Für nicht kirchlich sozialisierte hat die Creative Kirche eine schauspielerische Rahmenhandlung um die einzelnen Songs zugefügt, bei der Ben und Marie die angesprochenen Themen in den Stücken aufgreifen, Verständnisfragen klären und in Beziehung zu ihrer eigenen Biografie stellen. Damit werden die Aussagen Freys sehr in die heutige Lebenswirklichkeit integriert und konkretisiert. Damit ist aus dem ursprünglichem Pop-Oratorium ein Chormusical geworden.
Warum gibt es Leid? Was macht den Menschen Glücklich? Was bleibt von meinem Leben? Wie entkommst du dem irdischen Teufelskreis von Hass und Gewalt? Was ist Freiheit?
Wie war die Reaktion des Publikums in Chemnitz – auch bei Nicht-Christen?
Ich habe eigentlich nur positive Rückmeldungen gehört. Wie es speziell Nichtgläubigen dabei ging, kann ich leider nicht genau sagen. Mancher hat allerdings den allgemein sehr hohen Lautstärkepegel kritisiert. Da kann man sicher geteilter Meinung sein, je nachdem, ob man sonst eher Rock- und Pop-Konzerte, oder eher klassische Musikveranstaltungen besucht.
Welche Rolle spielte die Inszenierung mit Lichtshow, Projektionen und Solisten für die Wirkung?
Kann man solch ein großes Musical in der Gemeinde aufführen?
Auf jeden Fall! Seit mich das Stück 2023 förmlich gepackt hatte, habe ich mir genau das vorgenommen: Das Stück einmal selber als Lokalaufführung zum Klingen zu bringen. Sicherlich nicht in Form dieses Messehallen-Großevents, wie wir es jetzt in Chemnitz erlebt haben. Ich bin eigentlich kein "Event-Typ", verschließe mich dem aber auch nicht, vor allem dann nicht, wenn so ein gutes Werk zur Aufführung kommt. Ich selber bin von der Musik der 7 Worte gepackt worden, ohne Lichtshow, ohne LED-Kreuz, ohne Schauspielszenen. Im Grunde sind die 7 Worte ein Pop-Oratorium, das von der Creativen Kirche zum Chor-Musical erweitert und effektvoll mit Licht, Schauspiel und LED-Kreuz in Szene gesetzt wurde. Verzichtet man auf all diese "Zusätze" und lässt das Werk als reines Pop-Oratorium und ohne Bühne erklingen, eignet es sich sehr gut für einen Kirchenraum. Bei dieser reduzierten Fassung büßt die Musik gar nichts von ihrer Aussagekraft ein. Außerdem besteht die Möglichkeit, die Besetzung mit klassischen Instrumenten und Band flexibel den Möglichkeiten vor Ort anzupassen. Albert ist da sehr offen und meinte: so, wie seine Lieder ganz unterschiedlich besetzt in den Kirchgemeinden gespielt und gesungen werden, so flexibel darf man im Umgang mit dem Notentext der „7 Worte“ sein, wenn es um eine eigene lokale Aufführung geht.
Was war dein persönlicher Gänsehaut-Moment?
Das Interview führte Carsten Hauptmann.
Die Fotos wurden verwendet unter freundlicher Genehmigung der Creativen Kirche. Mehr Bilder vom Konzert in Chemnitz gibt es hier: https://www.chormusicals.de/artikel/eindruecke-aus-chemnitz